Inscriptiones Graecae
Sammlung und Edition der antiken Inschriften des griechischen Festlandes und der Inseln, die als urkundliche Quellen für die Erforschung des griechischen Altertums unentbehrlich sind.
«Aber man darf gewiß sein, daß sich gegenüber der wachsenden Vielzahl von Sonderpublikationen das Bedürfnis nach wenigen großen, zusammenfassenden Editionen, an die sich jeder Vertreter der Altertumswissenschaft ohne langes Suchen und Fragen wenden kann, wieder durchsetzen wird.»
(Günther Klaffenbach, Griechische Epigraphik, Göttingen ²1966, 20)
Am 24. März 2016, dem 201. Jahrestag der Gründung des Corpus Inscriptionum Graecarum, erhielten die Inscriptiones Graecae die höchste Auszeichnung der Akademie der Wissenschaften in Athen, die goldene Medaille, aus der Hand ihres Generalsekretärs V. Petrakos.
Erici Sironen epigramma in "Inscriptiones Graecas" ante annos CCIII conditas:
ὀκτώ τοι γενεὰς σπουδὴν ἐπὶ γράμμασι θεῖναι
Ἑλλαδικοῖς ἐστὶν δεῖγμα φιλιστορίης
Acht Generationen hindurch das Studium der griechischen Inschriften
betrieben zu haben, das ist wahrhaftig ein Beispiel für Wissenschaft!
Delos und Delphi: Wege und Irrwege zweier deutsch-französischer Inschrifteneditionen
Jürgen v. Ungern-Sternberg (1940-2025)
DELOS UND DELPHI. Wege und Irrwege zweier deutsch-französischer Inschrifteneditionen
Verlag: de Gruyter, 137 Seiten, 2025 (ISBN 987-3-11-156035-9) (IG / CIL: Auctarium, Series nova, Vol. 10)
Die europäischen Nationalstaaten konkurrierten vor dem Ersten Weltkrieg im Bereich der Wissenschaft, arbeiteten aber auch zusammen. Hierfür wird ein exemplarischer Fall vorgestellt. Die Berliner und die Pariser Akademie vereinbarten 1899 die Publikation der Inschriften von Delos und Delphi im Rahmen der Inscriptiones Graecae in Berlin. Untersucht werden die Vorgeschichte des aussergewöhnlichen Vertrags und dann die Gründe für seine Nichterfüllung im Falle von Delphi und die daraus folgende Polemik zwischen dem vorgesehenen deutschen Bearbeiter Hans Pomtow und seinen französischen Kollegen, die den Tod der ersten Protagonisten lange überdauert hat. Dem wird die gelungene Zusammenarbeit für das delische Inschriftenwerk entgegengestellt, wenngleich es infolge des Ersten Weltkriegs nur teilweise in der ursprünglich vereinbarten Form veröffentlicht worden ist. Das Buch stellt vielfältige Facetten der deutsch-französischen wissenschaftlichen Beziehungen dar mit Nachwirkungen bis zur Gegenwart. Es erhellt insbesondere die verschlungene Geschichte der Editionen der Inschriften von Delphi und erklärt damit, warum diese bis heute nicht in einer Gesamtedition verfügbar sind.
Die Olympiasieger der Antike in Sammlung TUSCULUM
Klaus Hallof, 1990-2023 Leiter der Arbeitsstelle Inscriptiones Graecae, hat in der Reihe TUSCULUM einen Band mit allen Zeugnissen zu den antiken Olympaisiegern in griechisch/lateinisch und deutsch ediert.
DIE OLYMPIASIEGER DER ANTIKE
Verlag: de Gruyter, Sammlung Tusculum. 1130 Seiten, 2025 (ISBN 987-3-11-914899-3)
Die mehrsprachige Ausgabe vereint alle bekannten Zeugnisse über die Sieger der 291 antiken Olympiaden. Gesammelt sind nicht nur die den Sieg direkt betreffenden Quellen, sondern alle weiteren, die den sportlichen und politischen Hintergrund der Athleten und der acht bislang bekannten Olympiasiegerinnen beleuchten, aus den antiken Autoren, Papyri, Münzen und vor allem aus Inschriften, die immer wieder neue Namen liefern. Die Zeugnisse sind chronologisch geordnet: zunächst die datierbaren Siege
(586 Belege), dann die nur ungefähr oder nicht datierbaren (485 Belege); schließlich solche für Athleten, deren Olympiasieg nicht sicher feststeht (35 Belege).
Diese Sammlung wird ergänzt durch Text und Übersetzung aller erhaltenen Zeugnisse über die antiken Verfasser von Olympionikenlisten (Hippias, Aristoteles, Eratosthenes) und der auf Papyrus erhaltenen Fragmente und ebenso aller Zeugnisse über die Verfasser von Olympiadenchroniken (Phlegon von Tralleis, Dexippos von Athen). Ausführliche Indices erschließen die Namen und die Art der Siege. Beigegeben sind ein Glossar der griechischen agonistischen Termini und knappe Sacherklärungen.
Ersetzt wird damit das Standardwerk von Luigi Moretti, Olympionikai, i vincitori negli antichi agoni olimpici, Roma 1957.
Karl-Christ-Preis 2021 an Klaus Hallof
"Der Karl-Christ-Preis ist dem Andenken an den Marburger Althistoriker Karl Christ gewidmet (1923-2008). Mit dem Preis werden seit 2013 herausragende wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Alten Geschichte und ihrer Nachbardisziplinen sowie der Wissenschafts- und Rezeptionsgeschichte des Altertums ausgezeichnet. Der fünfte Preisträger ist Klaus Hallof. Der brillante Epigraphiker hat sich sein ganzes Forscherleben um das Griechische Inschriftenwerk der Berliner Akademie, die Inscriptiones Graecae, verdient gemacht. Auch unter den schwierigen Bedingungen in der DDR hat er mit großer innerer Unabhängigkeit altertumswissenschaftliche Grundlagenarbeit geleistet und Quellen erschlossen, ohne die neue Erkenntnisse in der Alten Geschichte nicht zu erzielen sind. Als vorzüglicher Wissenschaftler und erfolgreicher Wissenschaftsorganisator hat er nach der Wende das griechische Inschriftenwerk in ein Vorzeigeprojekt der altertumswissenschaftlichen Unternehmungen der Berliner Akademie verwandelt. Immer wieder hat er sich zudem mit der Geschichte seines Faches beschäftigt und damit die wissenschaftsgeschichtlichen Forschungen Karl Christs fortgesetzt. Den Vortrag, den Klaus Hallof zur Verleihung am 2. April 2022 hielt, widmete sich dem Thema: »Kos 243 v. Chr. Ein europäisches Projekt« und ist hier zusammen mit Stefan Rebenichs Laudatio auf den Preisträger veröffentlicht."
Ansprechpartner
- PD Dr. Sebastian Prignitz
E-Mail: sebastian.prignitz@bbaw.de
Telefon: +49 (0)30 20370 494
Das Akademienvorhaben "Inscriptiones Graecae" ist Teil des von Bund und Ländern geförderten Akademienprogramms, das der Erhaltung, Sicherung und Vergegenwärtigung unseres kulturellen Erbes dient. Koordiniert wird das Programm von der Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften.